Bärlibär auf Reisen

Bärlibär auf Reisen
Bildquelle/Urheber: © privat
Kategorie: Kinder & Jugend
Thema: Abenteuer, Märchen & Sagen, Familie & Erziehung, Kinder & Jugend
Autor: Motek
Erstellt am 28.8.2018
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Er war einer von vielen.

Dunkel war es meist in seiner Schütte. Dunkel und doch flauschig warm. Er fühlte sich wohl. Manches Mal kamen fremde Wesen „ Menschen“ genannt. Meist Frauen mit Kindern und brachten Unruhe in sein Nest. Kleine Kinderhände wühlten in der Schütte, zerrten an Händen und Beinen von Seinesgleichen.  Hell wurde es manchmal und das Licht erlaubte ihm einen ersten Blick nach draußen. Brachte etwas Neues an ihn heran. Er konnte die Leuchten des Kaufhauses erkennen, die grell auf sein Wohnheim strahlten. Hell grelles Licht, dass ihn neugierig machte auf das was da draußen vor sich ging.

Noch war es wohlig warm um ihn herum und Seinesgleichen machte sich keine Gedanken was da draußen wohl wäre. Er wartete -  und mit dem Warten schlich sich eine Sehnsucht in sein Herz, es zu erkunden, das Draußen, das Unbekannte. Noch war die Zeit nicht gekommen.

Es war kein Tag wie jeder andere. Ein menschliches Wesen schrieb „Abverkauf“ auf seine Schütte. Als wenn er nicht was Besonderes wäre!!! „Abverkauf“ wie konnte sie nur? Einer nach den Anderen verließ das wohlig warme Nest. Schon waren die kalten Gitter der Schütte zu erkennen und immer weniger Seinesgleichen teilten sich das Heim.

Traurig sah er in das grelle Licht, so grell, dass beim besten Willen nichts zu erkennen war. Nicht wirklich zu erkennen war, was da draußen vorging. Nur eine innere Sehnsucht nach Freiheit, etwas was er eigentlich nicht benennen konnte, erfüllte ihn.  Es wurde Abend und langsam leerte sich das Kaufhaus. Erstmalig konnte er das Etikett genau erkennen „KINEA Bärenabverkauf“. Während er traurig vor sich hin sinnierte, was das wohl für ihn zu bedeuten hatte, passierte es.

Rick war ein Mann mittleren Alters. Weit über seine Kindheit hinaus. Dennoch zog es ihn immer wieder zu diesen kuscheligen Wesen. Als er dreizehn war, hatte seine Mutter unbedachter Weise seinen Lieblingsbären verschenkt. Es sei zu alt dafür. Ein großer Junge braucht keinen Bären. Ricks Bärendrama war nicht mehr gut zu machen. Er hatte im Laufe der Jahre viele Freundinnen und jede schenkte ihm zum Geburtstag einen Bären. Große - kleine, zottelige - glatte, braune - weiße, mit Lederhose oder Biker Outfit. Ein richtiges Bärenwohnheim hatte er daheim.  Schon wusste er nicht mehr wohin damit. Dennoch – Rick sah die Schütte mit der Aufschrift „KINEA Bärenabverkauf“ und war magisch angezogen.

Langsam näherte sich Rick. Eigentlich war er da um ein Regal zu kaufen, aber was war schon ein Regal? Es konnte noch so glänzen oder ungewöhnliche Namen haben. Regale hatten nichts anziehendes, maximal waren Sie praktisch. Rick näherte sich der Schütte. Er konnte es nicht lassen. Nur ein Blick. Den konnte ihm doch niemand verwehren.

Was war das? das kleine kuschelige Wesen da drinnen. Er sah aus wie alle anderen und doch, dieser Eine hatte etwas Besonderes. Allen war gemein, dass sie nicht sehr groß waren, ca. 15 cm maximal, ein runder Körper, zartes helles, fast beiges Fell und ein kleiner runder Kopf. Die Augen sepiabraun, kugelrund und leuchtend. Drei schwarze Linien, die sich in einem abgerundeten Viereck wieder fanden, ließen eine kleine Schnauze erkennen.

Ein freundliches kuscheliges Wesen, so wie es sich alle Kinder so sehr wünschen als Begleiter und Freund, dem man die großen und kleinen Sorgen anvertrauen konnte. Der es verstand, die Tränen zu trocknen, wenn das Herz wieder mal unverstanden überging. Wie es kleinen Kinderseelen immer wieder mal passierte. Sei es nicht zu bekommen was man begehrt oder auch der Schmerz, der getröstet werden mag, wenn das Knie aufgeschlagen war.

So stand Rick vor der Schütte und schaute sehnsüchtig hinein. Er war ein hübscher Mann. Langes blondes Haar hatte er streng nach hinten zu einem Schweif  gebunden. Eine verletzte Kinderseele war ihm geblieben, trotz der Jahre die ins Land gezogen waren und sein Haar an den Schläfen leicht ergrauen lies.

Rick griff wie von unsichtbarer Hand geführt in die KINEA Schütte und fasste gerade ihn heraus. Was war das? Ein Strahlen war in den Augen des kleinen Bären zu erkennen. Freude endlich gesehen zu werden. Jemand, der sich für ihn interessierte. Was bedeutete es da schon, dass dieser Jemand kein kleiner Freund war, der sich seiner annahm. Rick sah ihn liebevoll an. Du kommst jetzt mit auf meine Reise.

Rick war kurz davor auf Reisen zu gehen. Fremde Kontinente zu erkunden. Länder zu besuchen, wo er noch nie war. Das konnte man nicht alleine angehen, da musste ein Begleiter her. Jemand, dem man seine Erlebnisse erzählen kann, der einen begleitet und auch mal Mut macht. Der war der Richtige. Gerade groß genug um in der Seitentasche seiner Trekkinghose Platz zu finden. Dort dürfte er dann auch gerne mal raus sehen. Ja, der war genau richtig. Ich nenne ihn Bärlibär dachte er sich und legte ihn stolz auf das Kassenförderband von KINEA.

Die Verkäuferin sah Rick lächelnd an „Für ihren Sohn?“. Nein, er begleitet mich jetzt bald auf meine Reise…. Verwundert tippte die Verkäuferin Bärlibärs Preis in die Kasse. Rick zahlte, nahm liebevoll seinen neuen Gefährten, packte ihn in Seidenpapier und fuhr nach Hause. Das Regal war kein Thema mehr. Regale gab es wie Sand am Meer. Vielleicht stand ja sogar noch eines im Keller. Er würde später mal nachsehen. Jetzt musste er seinen Freund einmal versorgen. Bärlibärs neues Leben begann.

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